Zeitungszeugen - neue Auflage
Gemäß Wikipedia ist Zeitungszeugen eine gedruckte Sammeledition, die die Presselandschaft in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus darstellt. (Link: de.wikipedia.org/wiki/Zeitungszeugen)
Damals, als im Januar 2009 die erste Auflage rauskam, fing ich auch an, diese "historischen Zeitungen" zu sammeln. Aber nur die ersten acht Ausgaben. Ende Januar 2009 schrieb ich in meinem alten Blog über die ersten 3 Ausgaben der Zeitungszeugen folgendes:
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Es ist eine neue Zeitung erschienen die sich "ZEITUNGSZEUGEN" nennt. Sie druckt ausgewählte Zeitungen aus alter Zeit (1933-1945) original nach. Vom historischen her, finde ich das total interessant. Bei der ersten Ausgabe war ich aber doch sehr erstaunt, altdeutsche Schrift "Fraktur", irgendwie ja logisch. Ich hatte mir damals mal auf dem Flohmarkt eine Bibel gekauft die auch so geschrieben war, deshalb war das für mich nichts unbekanntes, dennoch schwer zu lesen. Am Ende der Zeitung war aber auch eine Übersetzung der damaligen altdeutschen Schriftzeichen mit den heutigen, so das man bei Unklarheiten noch mal nachsehen konnte. Als ich im Internet etwas Informationen über die Zeitung finden wollte, fand ich Artikel in denen die Befürchtung geäußert wurde, das es eine Art Kultzeitung für Neonazis werden könnte. Doch auf der einen Seite werden wir Deutschen immer aufgefordert die Vergangenheit nicht zu vergessen und auf der anderen Seite darf man keine Informationen darüber erhalten. Klingt widersprüchlich. Die 1.Ausgabe war jedenfalls sehr interessant, man sah wie so eine alte Zeitung gestaltet war, das sie nur 10 Reichspfennig gekostet hat und wie sie hießen "Der Kämpfer" und "Der Angriff", ziemlich befremdent für heutige Verhältnisse. Ein Werbeplakat der Sozialdemokraten mit einem Hakenkreuz an den ein Arbeiter gefesselt war, war auch dabei.
Das Werbeplakat der 2.Ausgabe fand ich schon erschreckender. Ein Nazi-Propaganda-Plakat wo oben "Der Reichstag in Flammen" steht und unten ein Hakenkreuz abgebildet ist mit der Aufforderung "Wählt Hitler". Mag ja sein das es ein historisches Plakat aus alter Zeit ist, aber Nazi-Propaganda und die Darstellung eines Hakenkreuzes ist doch verboten! Hat man mit der Herausgabe dieser alten Zeitungen jetzt einen Weg gefunden das Verbot zu umgehen? Man sollte sich jedoch davor hüten das Plakat irgendwo aufzuhängen. Das tolle in der 2.Ausgabe war die Werbung aus der alten Zeitung "Vorwärts" vom 28.Feb. 1933, (RM=Reichsmark, Pfd=Pfund): Margarine 0,24 RM/Pfd, Kaffee 1,90 RM/Pfd, Vollmilch-Nuß-Schokolade 0,22 RM/Tafel, Molkereibutter 0,98 RM/Pfd, Tilsiter vollfett 0,66 RM/Pfd, Apfelsinen 0,44 RM/3 Pfd, Tafeläpfel 0,25 RM/Pfd, Kartoffeln 0,26 RM/10 Pfd. Demnach kosteten 2 Pfund Butter etwa soviel wie ein Pfund Kaffee oder 75 Pfund Kartoffeln. Andere Artikel in der Zeitung "Vorwärts" tragen die Überschrift "36 Pfennig Stundenlohn ... - Das ist das Ergebnis von zehn Jahren Faschismus - Wollt ihr das auch?" und "Bankpleite in Mecklenburg - Nach jahrelanger Mißwirtschaft - Staatshilfe zugesagt". Irgendwie erinnert mich das an unsere jetzige Finanz- und Bankenkrise. Ich bin nun mal gespannt was die 3.Ausgabe in einer Woche veröffentlicht.
3.Ausgabe - "Zeitungszeugen" ohne Zeitungen - zensiert. Ich ahnte bei der letzten Ausgabe schon, das es Probleme geben wird, wenn man ein "Wählt Hitler"-Plakat veröffentlicht, wo ein Hakenkreuz mit drauf ist. In der jetzigen Mini-Ausgabe befindet sich ein Bestellkupon um die 3.vollständige Ausgabe nachgeliefert zu bekommen, nachdem der rechtliche Disput beigelegt wurde. Also noch eine Woche warten, bis zur 4.Ausgabe, vermutlich mit Zeitungen die nicht beanstandet werden. |
Als ich damals die 3.Ausgabe gekauft hatte, war der Kioskbesitzer ganz erstaunt darüber, das ich die Woche zuvor, die 2.Ausgabe erhalten hatte, weil sie seiner Aussage nach, alle von der Polizei beschlagnahmt wurden. Offenbar fand diese Beschlagnahmungs-Aktion erst kurz nachdem ich die 2.Ausgabe erworben hatte, statt. Glück gehabt. Wäre ja schade, wenn man Zeitungen sammelt und bereits die Nr.2 würde fehlen. Ich habe mich aber im Nachhinein informiert. Der Besitz der Zeitungszeugen Nr.2 aus dem Jahre 2009 ist nicht strafbar.
Über die 5.Ausgabe schrieb ich am 12.Feb.'09 folgendes:
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Zeitungszeugen Nr.5 mit zwei Ausgaben von der "Germania". In der vom 15.Okt. 1933 steht ein großer Artikel "Achtet die deutsche Handwerksarbeit!" drinnen. Da wird der Wert der Produkte des Handwerkers denen der Waren aus dem "Dutzentladen" gegenübergestellt. Den Artikel sollte man im heutigen Discounter-Zeitalter mal wieder veröffentlichen. Dann kann man in der Zeitung noch nachlesen das der Greta-Garbo-Film "Wie DU mich wünschst" in der 2.Woche im Kino läuft und eine große "KaDeWe"-Werbeanzeige, das Spezialhaus für Qualitätsware mit dem Motto: 1.reichhaltige Auswahl, 2. hohe Qualität, 3.unbedingte Preiswürdigkeit. Die "KaDeWe" gibts heutzutage immer noch, es ist das größte Warenhaus auf dem europäischen Kontinent. In der "Germania" vom 13.Nov. 1933 steht, abgesehen davon das Hitler die Wahlen gewonnen hat, auch Kleinanzeigen mit Heiratsgesuche z.B. "Gebildete höhere Beamtentochter, 31 Jahre, ... möchte charaktervollen katholischen Herren ... zwecks Heirat kennenlernen ..." oder "Junger Mann, groß, stattlich, katholisch, beschäftigt, 25 Jahre, wünscht junges, ansehnliches Mädel aus katholischer Familie zwecks Heirat kennenzulernen ...". Gegenüber heutigen Kontakt-Anzeigen wird hier noch Wert auf Sitte und Moral gelegt. Ein paar Seiten weiter trägt ein Artikel den Titel "Erfolge des Klöckner-Konzerns". Die Firma gibt es heute auch noch. |
Und nun, Anfang 2012, kommt eine neue Auflage von Zeitungszeugen heraus mit erweitertem Mantelteil. Ich werde wieder damit anfangen, diese Zeitungen zu sammeln, doch wie ich mich kenne, war bei der vorherigen Auflage ja auch so, werde ich irgendwann das Interesse daran verlieren. Natürlich ist diese "altdeutsche Schrift" lesenswert, die Gedanken aus alter Zeit, wie die Parteien gegeneinander gehetzt haben und wie damals Werbung gemacht wurde und wie die Preise waren. Auch aktuelle Kinofilme in schwarz weiß, Filme die sich heute kaum noch jemand ansieht, waren damals logischerweise hochmodern. Ich finde es jedenfalls interessant, einen Einblick in die sogenannte "gute alte Zeit" zu bekommen, wo es noch keine Computer und Handys gab und die Leute trotzdem etwas mit ihrer Zeit anzufangen wußten. Auch die "alten Werte" kennenzulernen, wo Arbeit noch etwas Ehrenvolles war und es noch kein Kindergeld und Hartz IV gab. Eine Zeit in der Lebensmittel nicht zu Dumpingpreisen verramscht wurden, wie heute. Bis alles durch den 2.Weltkrieg kaputt gemacht wurde und nichts mehr so war, wie einst. (11.Jan.'12)
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